Ökologische Vernunft fragt vor allem nach der Eigenverantwortung
Ökologische Vernunft fragt vor allem nach der EigenverantwortungWer umweltbewusst sein will, sollte nicht auf großem Fuß leben, meint Burkhardt Gorissen. Je größer der persönliche ökologische Fußabdruck, desto gravierender die Auswirkungen auf die Umwelt. Die aber ist dem Menschen nur als Schöpfung überlassen. Ein Beispiel für Gedankenlosigkeit mit der Umwelt ist die Vermehrung des Plastikmülls.
AUS DEUTSCHLAND02.01.2019
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„Macht euch die Erde untertan“ bedeutet nicht, beutet die Erde ohne Rücksicht aus. In diesen Kontext passt die 2015 von Papst Franziskus erlassene Enzyklika „Laudato si’“. Sie befasst sich nicht nur mit Umwelt- und Klimaschutz, sondern setzt ein deutliches Zeichen im Hinblick auf bestehende soziale Ungerechtigkeiten und dem Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen. Mehr noch, sie ist ein Weckruf. „Die klare Sprache dieser Enzyklika und die Tiefe der Gedanken bieten Anstöße, die weit über die katholische Welt hinaus Wirkung entfalten werden“, stellte denn auch die damalige Bundesumweltministerin anerkennend fest.
Gewiss, inzwischen bemühen sich viele, auf „Bio“, „Öko“ oder „Fair“ zu achten. Wir ahnen längst, dass sich Umweltbewusstsein und Verteilungsgerechtigkeit weder im Eine-Welt-Laden, noch auf Öko-Farmen kaufen lässt. Allzu oft steht uns jedoch unser „Eigentlich“ im Weg. Eigentlich tun wir schon genug, denn auf unserem Dach pfeifen die Spatzen den „Sonnengesang“ von den Solarzellen. Eigentlich würden wir mehr Fahrrad fahren, aber heute passt es nicht so gut. Eigentlich würden wir weniger Plastik verwenden – eigentlich… Eigentlich würden wir gern Jesus nachfolgen, wenn es draußen nur nicht so kalt wäre…
Längst wissen wir, dass es beim „eigentlich“ nicht bleiben darf. Mit dem Hinweis, eine Ökologie aufzubauen, „die uns gestattet, all das zu sanieren, was wir zerstört haben“, meint Papst Franziskus sicher keinen blindwütigen Aktionismus. Vegetarismus mag ja von einer lobenswerten Lebenseinstellung zeugen. Entspricht aber nicht eher der freiwillige Fleischverzicht der Freiheit des Einzelnen? Es muss ja nicht nur am Karfreitag oder Aschermittwoch sein. Früher war der Freitag in gutkatholischen Familien fleischfrei. Manchmal funktioniert das Aufopfern im Angedenken an die Leiden Jesu besser, als ein staatlich sanktionierter Veggie-Day.
Am Ende hilft weder Bequemlichkeit noch die nostalgische Sehnsucht nach einer vermeintlich heilen Welt, bevor die Industrialisierung ihren Siegeszug antrat. Viele Erklärungsversuche finden ihre Ursache in geistiger Trägheit. Dabei ist die Frage nach ökologischer Vernunft geprägt von der Dialogbereitschaft zwischen den Völkern und Kulturen. Länder mit einer geregelten Abfallwirtschaft werfen zum Beispiel keine Plastiktüten ins Meer. Andere – im asiatischen Raum – tun das sehr wohl. Erfahrungsaustausch ist nötig. Doch bleibt die ökologische Vernunft stets auch eine Frage der Eigenverantwortung. Einer Verantwortung des Einzelnen gegenüber unserem Nächsten und unseren Nachkommen.
Daran, dass wir eine universale Familie bilden, besteht kein Zweifel, „eine sublime Gemeinschaft“, wie Papst Franziskus sagt, „die uns zu einem heiligen, liebevollen und demütigen Respekt bewegt“. Eigentlich ganz einfach oder? Eigentlich… Sicher, der Mensch rettet die Welt nicht, die wäre immer unrettbar verloren ohne Jesus Christus. Und auch die Befreiung vom Plastik macht noch keine Erlösung. Wenn jeder bewusst lebt und Rücksicht nimmt, auf andere Menschen, weil sie Christus sind, auf die Umwelt, weil sie Schöpfung ist und auf die Zukunft, weil Gott sie uns schenkt, das wäre schon die halbe Miete. Es wäre sicherlich im Sinne unseres Schöpfers und eigentlichen Herrn. BG
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